Fallbeispiel - Psychosomatische Erkrankung

Psychosomatische Erkrankungen: 
Unter Psychosomatik versteht man die Lehre von den Zusammenhängen und der gegenseitigen Beeinflussung von Körper und Seele. Häufig findet sich bei psychosomatischen Erkrankungen ein Ungleichgewicht zwischen Körper (Soma) und Seele (Psyche).

Beispiele für psychosomatische Erkrankungen: 
Tinnitus, Reizdarm-Syndrom, Reizblase, Herz-Angst-Neurosen, psychogener Juckreiz, Migräne, chronische Schmerzen, Essstörungen. 


Ein Beispiel aus der Praxis:
Frau M. kommt mit starker Migräne und mittelgradiger Depression zur Musiktherapie. Neben diesen Symptomen leidet sie unter verschiedenen Ängsten.
Sie berichtet im Erstkontakt und im Verlauf der Therapie über die Beziehung zu ihrem Mann und zu ihrer besten Freundin, die beide sehr dominant sind. Häufig übernehmen diese Entscheidungen für Frau M., was sie einerseits sehr stört, es aber nicht ansprechen kann. 

Die Instrumente machen der Patientin zuerst Angst; "Ich bin doch überhaupt nicht musikalisch". Schnell legen sich die ersten Zweifel, da Frau M. feststellt, dass Musik etwas Schönes in ihr auslöst. Sie fühlt sich nach der Stunden entspannter und ausgeglichener.

Im Laufe der Behandlung kristallisiert sich die sehr angespannte Beziehung zu ihrer Mutter heraus, von der Frau M. sehr abwertend behandelt wurde. "Ich durfte nie etwas alleine machen, wurde stets kritisiert und auch geschlagen".
Im psychotherapeutischen Gespräch und mit Unterstützung der Instrumente beschäftigen wir uns zuerst mit mit ihren Ängsten. Durch die Auswahl der Instrumente und durch kurze Sequenzen, in denen sie die Entscheidung treffen sollt, wird ihr Selbstwertgefühl gestärkt und die Selbstsicherheit nimmt zu. Es gelingt Frau M., ihre eigene Meinung mitzuteilen und sich Konflikten zu stellen, denen sie zuvor immer aus dem Weg gegangen ist. So wird auch die Beziehung zu ihrem Ehemann und ihrer besten Freundin stabiler und harmonischer. Die Migräne, die vor allem in Stresssituationen und Situationen der Überforderung auftrat, gerät mehr und mehr in den Hintergrund. Sie erkennt die Zusammenhänge zwischen Anforderungen der Umwelt und dem inneren psychischen Druck ("Ich kann das nicht") und lernt, ihren Körper besser wahrzunehmen.